Dienstag, 19. Januar 2021

2. Teil


11. Tag
Dienstag, 14.05.2019
Das ist die Woche der Hausbesuche.
Heute ging es über den gestrigen Ort Makete hinaus.
Bis Makete war der Jeep vollgeladen: Mit uns kam noch das Kindergartenteam, so dass wir erstmal zu acht im Jeep waren.

In Makete „kurz“ zur Bank und danach weiter nach Isapulano.


           



Als erstes besuchten wir Furaha.
In dem Haus war ich schon bei meinem ersten Aufenthalt vor 2,5 Jahren.
Jetzt erkannte ich dieses zunächst nicht wieder. Der helle Hof, indem Furaha sich gut bewegen konnte ist durch einen großzügigen Hausausbau auf ein Minimum geschrumpft. Er wirkt eher dunkel und jetzt in der Regenzeit auch feucht, da kaum ein Windhauch hindurch kann.
Furaha kam uns freudestrahlend auf dem Boden rutschend entgegen.
Außer der baulichen Veränderung, scheint die Zeit still gestanden zu sein: Im Gegensatz zu dem strahlenden Furaha, die erschöpft und traurig wirkenden Eltern, die gleiche Armut…….

Wir haben Furaha einen Rollator mitgebracht. Kirimia hatte mit dem Vater besprochen, dass der Boden des Hofes und vor dem Grundstück so eben wie möglich bearbeitet werden soll, damit der Rollator auch genutzt werden kann.
 



Furaha zeigt uns seine Freunde aus der Nachbarschaft

Im selben Dorf besuchten wir noch eine Familie. Das war ein Erstbesuch durch die Physiotherapie. Wir sollten uns den kleinen Sohn "anschauen" und gemeinsam überlegen, was zu tun sei, ob die Physiotherapie hier angesagt ist. Die Problematik ist eine Störung des Knochenwachstums, so dass sich hier eine "O-Bein-Stellung" entwickelt hat.
Wir kommen zu dem Schluß, dass ein operativer Eingriff (Korrektur - OP) erforderlich ist. Daudi und Kirimia werden Kontakt zu einer Behandlung in Iringa oder Arusha aufnehmen sowie die Kostenübernahme klären.




12. Tag
Mittwoch, 15.5.2019
Heute fahren nur Ina und Sylke mit Kiri und Daudi nach Massisive zu Katherin und Jusufu. "..Zuerst sind wir beim Pfarrer, mit ihm gehen wir durch Maisfelder bis zum schäbigen, kleinen Holzhaus, der Familie. Das Baby liegt neben der Feuerstelle im Rauch in einer Schüssel, die mit Tüchern ausgelegt ist. Katherin ist 9 Jahre alt und wird von der Mutter angezogen im Minischlafteil mit 1.20 Bett – ich schätze die Kinder schlafen davor auf dem Lehm- Boden, der die ½ des Jahres feucht ist. Das Baby hängt jetzt an der Brust der Mutter, die aber leer aussieht. Katherin hat ihre heruntergekommene Schuluniform an. Sie kann langsam gehen an einer Stütze, die allerdings zu hoch ist ( geht nicht kürzer )auf dem unebenen Lehmboden vor der Hütte. Ihr rechtes Bein beugt sie nicht, hat auch eine typische Handhaltung rechts aufgrund der Halbseitenlähmung. Sie wird zum Seminar kommen. Die Mutter wird sie begleiten mit dem Baby. Auf dem Rückweg treffen wir den Vater. Kiris oder Daudis Idee ist, den Vater in der Diakonie zu beschäftigen und damit der Familie zu einem geringen Einkommen zu helfen.
Die Verhältnisse in denen diese Familie wohnt sind so ärmlich, das mir wirklich zum heulen ist. Irgendwie geht mir das näher, als die Obdachlosen, die ich in Berlin erlebe. Ich denke, weil hier Kinder betroffen sind.
Danach gehen wir zu Jusufu. Er hat ein Downsyndrom. Er liegt bei unserer Ankunft hinter der Tür des Hauses. Die Mutter hat nur 1 Arm, fasst das Kind ohne Ansage unterm Arm und schleppt ihn heraus. Er ist 9 Jahre alt, sieht aber aus wie 3 oder max. 4. Wir spielen mit ihm, er freut sich, steht mit Hilfe auf, kann dann ohne Hilfe stehen und mit Hilfe auch ein paar Schritte gehen, Mit seinen Händen kann er nicht so viel anfangen. Er hat eine so unglaubliche Mimik, wie alle Kinder mit Downsyndrom, überall auf der Welt. Mit ihm können wir im Seminar stehen und gehen üben, mit den Händen spielen und sprechen. Außerdem fehlen ihm soziale Kontakte, die wird er während des Seminars haben. Ihn haben Ina und ich sofort in unser Herz geschlossen."
Sylke



Birgit und ich blieben im Diakoniezentrum.
Wir hatten einen kleinen “Auftrag“ zu erledigen: Im Juli wird eine Gruppe aus Neinstedt hier 14 Tage verbringen. Die Absicht ist, das diese Gruppe auch ganz praktische Hilfeleistungen im Zentrum erbringen werden. Da auch einige Handwerker mit dabei werden, sollen wir mögliche Kleinschäden in den Häusern dokumentieren und fotografieren, damit diese dann mit Absprache der Leitung des Zentrums, repariert werden können.

Fünf Häuser schauten wir uns an. Es dauerte doch einige Stunden um all die Problemfälle aufzunehmen und zu dokumentieren.


13. Tag
Donnerstag, 16.5.2019
Noch vor der Andacht ging es zu unserer letzten Besuchstour los: wieder über Makete, weiter über Bolongwa nach Ipelele.

Dort gab es in einem kleinen Restaurant ein spätes Frühstück: Hühnersuppe mit Hühnerbein und leckeren Chapati! Der Ortsvorsteher, der zufällig auch im Restaurant war, spendierte uns das Essen…



2 Mitarbeiter der Gemeinde stiegen dann mit ins Auto und wir fuhren zum nächsten Dorf auf zum Teil nicht erkennbaren Wegen.
        



Dort gab es als erstes einen „Kontrollbesuch“ bei einem jungen Mann, dem vor 2 Monaten seine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte mit finanzieller Hilfe des Diakoniezentrums erfolgreich operiert wurde. Alles sieht gut verheilt aus!




                                                                                   

Danach gingen wir zu einem Jungen, ca. 7 Jahre alt. Er war als Kleinkind ins Feuer gefallen und hatte sich beide Hände und Teile der Unterarme verbrannt. Die Finger beider Hände waren aufgrund der Vernarbungen zu einer geschlossenen Faust „geformt“. Durch Vermittlung von Kirimia und konnten beide Hände von „Interplast“ (Team Plastischer Chirurgen aus Deutschland) operiert werden. Leider ist der Heilungsprozess nicht wie erhofft verlaufen: der Junge und die Eltern haben nicht so auf die Hygiene, Wundversorgung und den täglich notwendigen Bewegungsübungen geachtet. Die Hände und Finger lassen sich natürlich weiter öffnen als vor der OP. Geplant ist eine erneute OP in Iringa.

Weiter ging es zu Jimson. Er war ja zum Erwachsenen-Seminar, und dort wurde mit ihm beschlossen, dass Mitarbeiter des Zentrums ihn besuchen werden, um seine Wohn- und Lebensverhältnisse aufzunehmen bzw. dann zu überlegen, ob und wie er unterstützt werden kann.

Als letztes besuchten wir eine Familie mit einem 6-jährigen Jungen, der an beiden Klumpfüßen in Daressalam operiert wurde.
Danach müssen die Kinder über einen längeren Zeitraum spezielle Schuhe, die miteinander verbunden und in einer sehr starken Auswärtsdrehung jeweils fixiert sind , über 23 Stunden am Tag tragen. Dadurch können sich durch knöchernen und Bandstrukturen der Füße und Beine langsam verändern.
Leider haben die Eltern, das nicht so verstanden und diese Schuhversorgung nach kurzer Zeit wieder zurück geschickt. So sind die Füße wieder in eine „Sichel- und Hohlfußform“ zurück gegangen. Es muss überlegt werden, ob eine erneute OP angesagt ist.
Zufällig haben wir auch seine Schwester gesehen, bzw. mehr ihre Füße. Leider haben auch diese eine Sichelform.
So konnten wir beides aufnehmen und die Eltern nochmals beraten.

Wie es zu diesen gravierenden Missverständnissen zwischen Ärzten und Patienten immer wieder kommt, liegt wahrscheinlich an beiden Seiten.  








Auf der Rücktour legten wir in Makete noch einen Stopp ein, um ein verspätetes Mittagsmahl zu uns zu nehmen.
Mal wieder kräftig durchgerüttelt und geschüttelt kamen wir ziemlich ko am späten Nachmittag in Tandala an.

das Essen war lecker - 
vergleichbar mit einem "Bauernfrühstück"
                            
..und es sorgte für eine 
kurzweilige Fahrt...
....zum Glück hatten wir einen 
großartigen Fahrer 














14. Tag
Nach dem Frühstück war ein erstes Gespräch mit der Leitung des Diakoniezentrums und mir vereinbart. Ina begleitete mich und schrieb dankenswerter Weise das Protokoll.
Thema war die Entwicklung der Physiotherapie in den 2,5 Jahren, seitdem Kirimia wieder zurück ist.
Zur Sprache kamen aber auch grundsätzliche Fragen, wie Finanzen und Stellenwert der Physio.
Es war ein sehr offenes Gespräch, es wurden die jeweiligen Erwartungen auch als Erwartung ausgesprochen (finanzielle Unterstützung auf der einen Seite – Berichte, Planungen und finanzielle Abschlüsse auf der anderen Seite).
Auch ein erster Ausblick in die Zukunft wurde gewagt: vor allem über eine personelle Entwicklung der Physio wurde nachgedacht.

Wir vereinbarten ein weiteres Gespräch ein den nächsten Tagen.

Am Nachmittag schrieben Birgit und ich das Protokoll über die notwendigen Reparaturarbeiten in den Häusern.

15. Tag
Samstag, 18.5.2019
Ein wunderbarer Morgen erwartete uns: Sonne pur!
Wir frühstückten draußen und genossen die Zeit, die Ruhe und die Berge im Hintergrund.

Die 3 Damen beschlossen, eine Wanderung zu unternehmen – die sie dann bis zu einem Wasserfall führte.

..zunächst in Begleitung von Daudi...

       


   

dann musste er bald umkehren.



Wird sie halten?


    









Ich blieb „daheim“, ich wollte das Protokoll von dem Gespräch von Freitagvormittag schreiben.
Außerdem war noch ein kurzer Besuch von Claus Heim, dem Tansania-Referenten des Bayrischen Missionswerkes (MEW) angesagt. Mit ihm hatte ich im Zuge der Reisevorbereitungen Kontakte per Mail und Telefon. Wenn es sich ergeben würde, würde ich gerne mit ihm einige Worte wechseln.
Am Nachmittag hatte ich das Protokoll fertig, die Damen kamen ziemlich ko, aber sehr zufrieden wieder.
Zu viert und mit Kirimia saßen wir dann auch eine Stunde mit Claus Heim zusammen. Das Gespräch war sehr interessant und spannend, da er selbst viele Jahre in verantwortlicher Position in Tansania gelebt und gearbeitet hatte.
Wir sprachen auch über die Entwicklung der Physiotherapie, insbesondere über die personelle Unterstützung.
Neben den FSJ-lern gibt es auch die Möglichkeit für eine/n ausgebildeten PhysiotherapeutIn aus Deutschland als „Fachkraft auf Zeit“ im Diakoniezentrum über einen längeren Zeitraum tätig zu sein.
Die langfristige Variante ist aber einheimische junge Menschen zu finden, die aus dem Gebiet und der Diakonie zugewandt sind, um ihnen eine Ausbildung / Studium zum PhysiotherapeutIn in Tansania zu ermöglichen.
So würde Kirimia kurz- und langfristig entlastet und ein kontinuierliches physiotherapeutisches Angebot gesichert werden.
Abends waren wir bei Sedekia zum Essen eingeladen.


16. Tag
Sonntag, 19.5.2019
Und wieder ein Tag an dem wir länger schlafen konnten und die Sonne uns erwartete!
Mit Kirimia hatten wir uns nach dem Frühstück zu einer kleinen Wanderung verabredet.
Es wurde ein längerer Spaziergang von knapp 15 km zu einem kleinem Dorf in der Umgebung.
Wir hatten viel Spass miteinander und auch einen sehr intensiven fachlichen Austausch, vor allem über den momentanen Stand und verschiedenen Zukunftsmodellen der Physiotherapie in Tandala.

Auf dem Rückweg kehrte wir in Ikonda zu Essen ein.


 



17. Tag
Montag, 20.5.2019
Unsere 3. Arbeitswoche begann natürlich wieder mit der Andacht bei der auch das ab dem nächsten Tag beginnende Seminar für Kinder und Angehörige besprochen wurde.
Wir hatten uns vorgenommen den Raum für die physiotherapeutischen Behandlungen und den Raum für die begleitenden pädagogischen Gruppen- und Einzelangebote zu reinigen und vorzubereiten.
Im Laufe des Tages kamen fast alle eingeladenen Kinder + Angehörige an.
Zum Mittagessen waren wir mit den FSJ-lern bei Elikana zu Hause eingeladen, wo wir dann auch von seiner Frau Oresta und seinem Sohn mit Freundin auf das herzlichste begrüßt und bewirtet wurden.
Einige von den Kindern kannten wir schon.

Nach einem gemeinsamen Abendbrot mit allen „Seminaristen“, der Leitung des Diakoniezentrums und uns wurde das Seminar ganz „offiziell“ eröffnet. Zentrales Thema dabei war auch die Hygiene und Sauberkeit der Kinder. Elikana brachte dieses auf eine wunderbare Art und Weise sehr konkret zum Ausdruck, wobei er auch darauf verwies, dass es nicht nur für die kommenden Tage gilt! Bei einigen musste bis zum ersten Angebot am nächsten Tag noch deutlich etwas unternommen werden.

18. - 21. Tag
Dienstag, 21.5.19 – Freitag, 24.05.19
Wie auch bei dem Erwachsenen-Seminar, standen am ersten Tag die Aufnahmegespräche an.
Diesmal waren wir aber zu fünft: wir vier und Kirimia.
Für die Gespräche und für die Behandlungen – Physio sowie Gruppenangebote – haben wir (sicher eher deutsch…) einen konkreten Plan erstellt, wann, welches Kind, wo ist, sein sollte.

Und das hat dann auch super funktioniert.


Yusufu, 9 Jahre alt, Junge mit Down-Syndrom.
Yusufu ist das jüngste von 8 Kindern, seine Mutter ist auf der linken Seite armamputiert. Yusufu hat zu Hause keine sozialen Kontakte zu anderen Kindern. Er geht noch nicht frei. Seine Mutter wünscht sich, dass er laufen und sprechen lernt und Entscheidungen treffen kann zwischen gut und schlecht.

Yusufu bekommt 3 Einzelbehandlugen in Form eines Bewegungs- und Spielangebots. Er steht an einer Liege, wirft kleine Knautschbälle herum. Er kann mit Unterstützung aufstehen und bleibt stehen, geht schon erste selbstständige Schritte. In der Therapie ist er sehr gut im Kontakt zu uns, Kirimia übernimmt die Behandlung. Wir sehen innerhalb der 3 Tage gute Fortschritte und beraten die Mutter, was sie zu Hause übernehmen kann.




























Catherine, 9 Jahre alt, ehemaliges Frühgeborenes im 7. Monat, sie hat eine Hüftdysplasie rechts und eine Halbseitenlähmung rechts, außerdem ist sie extrem lichtempfindlich und kneift oft beide Augen zusammen.
Catherine wird 3 Mal einzeln behandelt. Wir bereiten eine Bewegungslandschaft für sie vor. Catherine klettert über eine mobile Sprossenwand und rutscht mit Begeisterung die Rutsche herunter. Sie sitzt im Reitersitz und rollt und wirft einen großen Ball nach vorne zu ihrem Gegenüber. Am 3. Tag ist sie in der Lage, auf einem Wackelbrett im Schneidersitz, Vierfüßler und im Stand ihr Gewicht zu verlagern, bzw. darüber zu gehen. Einen umgedrehten Hocker verwenden wir als “Basketballkorb”, in den sie Fühlsäckchen hineinwirft. Dabei steht sie und stabilisiert sich immer besser.









                                                   

Johannes, 7 Jahre alt, 3 ältere Geschwister kam mit seiner Mutter auf allen vieren uns entgegen gelaufen. Das meiste seines Körpergewichtes lag auf den Händen und Armen, die Beine waren im Knie durchgestreckt, die Füße erschienen wenig beweglich. All das, was er in den Beinen zu wenig an Kraft und Beweglichkeit hatte, war um so mehr in den Armen und im Brustkorb anzutreffen….
Die Geburt wurde als sehr schwierig beschrieben: „übertragen“, Steißlage - deshalb auch ein Kaiserschnitt.
Dazu kamen noch 2 Klumpfüße. Diese wurden mit mäßigen Erfolg operiert.
Wir haben leider nicht die Geschichte zu seinen Kniegelenken herausbekommen bzw. verstanden. Beide Knie sind mehr oder weniger steif, sie lassen sich nur minimal bewegen. Seit wann das so ist und wieso – keine Ahnung. Jedenfalls konnte eine geplante OP für beide Kniegelenke wegen des fehlenden Geldes nicht durchgeführt werden.
Außerdem kommt es in Stresssituationen zu erheblichen vegetativen Reaktionen: Schwitzen, Hypertonus, Atmung - Hyperventilation, Herzrasen.
Johannes hat so mit den Jahren seine Form der Fortbewegung gefunden. Dafür wurde er in der Schule von den anderen Schülern so „gehänselt“, dass er herausgenommen wurde.
Über Schmerzen klagt er fast gar nicht.
Da die Hüftgelenke frei beweglich sind, jedoch die Muskulatur in den Beinen atrophiert bzw. die Kraft durch die Muskulatur kaum vorhanden ist, ist die Frage, wie kriegen wir Johannes in eine aufrechte Position, welche Unterstützung können wir ihm geben.
Wir entschieden uns für erstmal für eine „passive“ Behandlung der Füße und Beine: Wahrnehmung, Mobilisation und Entspannung. Dieses genoss Johannes im zunehmenden Maße.
Gleichzeitig gaben wir ihm 2 Achselstützen (Idee von einer FSJ-lerin), die wir noch anpassten.
Obwohl er beim Gang auf allen Vieren schneller war, nutzte Johannes diese Stützen mit riesengroßer Freude sofort!!!!
Wir hoffen, das Johannes mit seiner großen Eloquenz und Freude an der Bewegung, das Gehen mit den Stützen auch zu Hause „perfektionieren“ kann und so für einen Schulbesuch in Daressalam (Schule für Kinder mit körperlichen Einschränkungen) ab Januar 2020 in Frage kommt.

Ein Problem wird dann noch die Finanzierung sein. Das Diakoniezentrum hat über Patenschaften aus Deutschland ein großes Schulprogramm. Dieses wird im Stuttgarter Raum koordiniert. Wer Fragen dazu hat, kann sich auch gerne erstmal an mich wenden. 

 







Erasto, 14 Jahre alt, einen 8-jährigen Bruder, ist seit Geburt stark geistig und körperlich behindert.
Er lautiert, spricht keine Worte, hört schwer und muss komplett versorgt werden (Essen, Toilette, an- und ausziehen).
Seine Haltung ist sehr gebunden, das heißt Arme und Beine sind sehr stark gebeugt. Damit kann er ein wenig krabbeln. Dabei ist er an die Feuerstelle im Haus herangekommen und hat sich dabei die linke Hand verbrannt.
Die Mutter freut sich nach wie vor über die Entdeckung kleine Entwicklungsschritte von Erasto.
In der Einzelbehandlung stand als großes Thema die „Basale Stimulation“ - ein langsames klares Arbeiten an der Eigenwahrnehmung des Körpers über die Hände des Behandlers und / oder über den Kontakt zum Boden.

Erasto entspannte sich nach einiger Zeit deutlich und es „entspann“ sich ein Bewegungsdialog, der in einem Rollen von der Seitlage in die Bauchlage und weiter bis zur Rückenlage endete. Zum einen hatte Erasto einen großen Spass daran und zum anderen kam er aus der gebundenen Haltung heraus und konnte sich am 3. Tag auf beide Arme in einer seitlichen Position aufstützen.

                                                                                     
     



Auch mit der Mutter haben wir gearbeitet: Sie hat Erasto (wie wir es auch bei anderen Eltern gesehen haben) an einem Arm gefasst und ihn so hochgehoben. Wir haben ihr gezeigt, wie es anders gehen kann und sie damit zugleich Erasto neue Bewegungserfahrungen geben und es sich selbst auch leichter machen kann.


Noel, 7 Jahre alt, auch seit Geburt körperlich behindert: eine Cerebralparese mit einem dyskinetischen Syndrom. Das heißt, das Gehirn ist seit (oder vor) der Geburt geschädigt, die Bewegungen erscheinen unkoordiniert, über das Ziel hinausschießend.
Noel hat 2 Geschwister, braucht Hilfe beim Essen, der Toilette und beim aus- und anziehen.
Einzelne Worte kann er formulieren. Er hat höchstwahrscheinlich keine Intelligenzminderung.
Mittlerweilen kann er sicher sitzen.
Leider war er ab dem 2. Tag stark erkältet, vor allem die Hustenattacken ließen ihn nicht in Ruhe und eine wirkliche Behandlung nicht zu.
Dafür konnte aber mit der Mutter gearbeitet werden: drehen und rollen, über die Seite das Kind aufnehmen und wieder hinlegen.

Was wir oft gesehen hatten war, dass die Mütter ihre Kinder an einem Arm greifen, vom Boden aufheben und entweder auf den Rücken oder anderswo ablegen.

      


                       

Furaha ist 9 Jahre alt und macht seinem Namen alle Ehre - Freude
Er wurde mit Saugglocke geboren und ist Tetraspastiker (Arme und Beine betroffen).
Für Furaha ist es das 2. Physio-Seminar, an dem er teilnimmt. 
Der Wunsch des Vaters ist mehr Beweglichkeit für seinen Sohn. Unsere Idee ist ein Rollstuhl für ihn, weil er beim Gehen auf den Füßen seine Spastik verstärkt. Außerdem möchten wir mit ihm an seiner Feinmotorik arbeiten, damit er sich alleine an- und ausziehen kann und auch besser selbstständig essen kann.
In den Einzelstunden haben wir sitzend am Bodenkontakt gearbeitet. Furaha hat ein feines Gespür und selbst wenn wir keine Übersetzung hatten verstand er sofort, was ich von ihm wollte. Er konnte in Rückenlage irgendwann seine Knie küssen, was er sehr witzig fand, er schaukelte mit meiner Hilfe an seinem Kopf, bis er zum Sitzen kam, auch darüber hat er sich gefreut. Dann krabbelten wir über eine lange Matte, er hat gelernt seine Knie anzuheben und seine Beine zu differenzieren, zu Beginn hatte er die Knie gleichzeitig über den Boden geschleift, und er lief auf meinen Fußrücken. Auch kann er Säckchen und weiche Bälle mit der rechten Hand von einem Ort an einen anderen legen, wenn ich ihm die linke Hand festhalte.

Furaha bekommt einen Rollstuhl, den ersehr schnell selbst bedienen kann und womit er und sein Vater glücklich sind.





Heri ist Epileptiker, 11 Jahre alt und da seine Mutter nicht mehr lebt mit seiner Großmutter da. Der Großvater ist blind. Heri wirkt als hätte er Parkinson, er aht kaum Mimik und wir freuten uns sehr, wenn er hin und wieder lachte. Er reagiert verzögert, bewegt sich erst mal sehr langsam und nach einigen Wiederholungen wird sein Bewegungsablauf etwas schneller und sein Radius größer. Außerdem hat er enorme Orientierungsstörungen, wenn er zum Beispiel innerhalb von 5 Minuten gelernt hatte einen Ball auf ein Ziel zu werfen, wir dann das ganze umkehrten und er sich drehte um in die andere Richtung zu werfen, war es als müsse er wieder neu werfen lernen. Die Großmutter ist sehr fordernd und versteht nicht, dass Heri für alles sehr viel Zeit braucht. Ein großes Problem ist, dass es keine Angehörigen gibt, die den Jungen übernehmen könnten, wenn die Großeltern mal nicht mehr sind. Wir gehen davon aus, dass dei Großmutter überfordert ist, ihm seine Medikamente nicht regelmäßig gibt, Heri viele Anfälle hatte und sein Gehirn großen Schaden genommen hat. Ich machte ein Wohlfühlprogramm mit ihm, in dem wir trotzdem versuchten Schuhe an- und ausziehen zu üben, verschiedene Gegenstände zu geben und zu nehmen in alle Richtungen. Zu werfen und zu fangen. Am 2. Tag war die Oma überrascht, dass Heri nach ½ Stunde die Arme hoch über den Kopf heben konnte um den Ball entgegenzunehmen.


Rehema ist mit dem Vater da, sie ist 8 Jahre alt, klein wie 3 und hat nur sehr kurze Oberarme, noch kürzere Unterarme, mit nur 1 Finger und kontrakte Ellenbogen. Auf dem Zettel der Klinik steht Congenital Malformation. Auf jeden Fall hat sie eine starke geistige Behinderung. Sie malt auffällig kräftig und laut mit ihren Zähnen. Sie ist ein Zwilling, das andere Mädchen ist gestorben. Die Mutter lehnt sie ab und kümmert sich nur um das Geschwisterkind. Der Vater hat mit ihr sehr viel geübt, was ihm in Kliniken gezeigt wurde und hat sie zum Stehen und gehen gebracht. Sie hat einen starken Willen und wenn ihr etwas Spaß macht, wie zB klettern und rutschen will sie immer das Gleiche. Als ich die Rutsche versteckt hatte konnten wir sehr schön Säckchen sortieren und sogar mit einem dicken Stift zusammen auf Papier krakeln. Während sie konzentriert beschäftigt ist hören die Malgeräusche ihrer Zähne auf. Unsere Empfehlung an den Vater war neben all den spielerischen Übungen, die er bestimmt macht, Rehema auf Brotrinde lutschen zu lassen, damit sie ihre Zunge und die Kaumuskeln mal anders benutzt.


           




















Devi ist 7 Jahre alt, hat eine Cerebralparese, Lähmung im linken Arm, Blickkontakt mit ihm aufzunehmen ist sehr schwierig und er hält ihn nicht. Er imitiert Laute, kann also hören, gibt hohe schrille Schreie von sich, schnalzt mit der Zunge, er isst selbst mit den Fingern, was hier sowieso normal ist, hat allerdings kein Sättigungsgefühl und erbricht sich, wenn er zuviel gegessen hat. Er klatscht in einem unglaublichen Tempo zur Selbsstimulation. mit der rechten Hand in die linke hat eine geistige Behinderung. Unsere Idee für die Therapie ist hauptsächlich Basale Stimulation. Ich habe dünne bis dicke Rollen und Bälle über ihn gerollt, ihn eng in ein Handtuch gewickelt. Er kann am Boden sitzend sich auf die rechte Hand stützen, das machten wir lange, um dann auf links zu wechseln, wobei ich ihm half.
Am 3. Tag nahm er klarer Blickkontakt auf und hat mit Erasto, der im gleichen Raum behandelt wurde, gelacht. Sie haben sich gegenseitig angesteckt. Das hat viel Freude gemacht.


















Insgesamt hat mir die Arbeit mit den Kindern viel Freude gebracht, ich habe kleinere und größere Entwicklungsschritte gesehen und glaube, dass auch die Mütter Freude beim Zuschauen hatten. Meine Hoffnung ist, dass die Eltern ihre Kinder mit ihren Handycaps mit positiverem Blick betrachten können und vielleicht ein paar Kontakte halten, die sie während des Aufenthalts in Tandala geschlossen haben.


Pädagogisches Spielangebot in Gruppen
Parallel zu den physiotherapeutischen Einzelbehandlungen gab es Spielangebote, angeleitet von Birgit, Heilerziehungspflegerin. Sie hatte Unterstützung von Agneta, einer tansanischen Erzieherin und jeweils einem FSJler zum Übersetzen. 
Am Vormittag fanden 2 Gruppen statt und am Nachmittag eine, an der auch Ina teilgenommen hat. In den Gruppen waren jeweils 3 Kinder mit ihren Eltern.
Wir alle stellten uns spielerisch mit Namen vor, sangen Lieder mit Bewegungen und spielten gemeinsam z.B. mit dem Schwungtuch, Bällen, Luftballons und Holzbausteinen, die kurz vorher in der Tischlerei für uns aus Resten angefertigt wurden.
Von Anfang an, war es ein freudiges und fröhliches Miteinander. Auch die Eltern hatten Spass am gemeinsamen Spiel.

 

            

gemeinsam singen mit Gebärden
Ein wichtiger Teil in diesem Angebot war auch das Malen, Zählen und Sortieren von z.B. Bausteinen, Bohnen und Steinen in verschieden große Gefäße. Die Kinder waren dabei sehr konzentriert und kreativ.


die gemalten Bilder an der Wand

zwischendurch eine Pause
          

Für die schwerer behinderten Kinder gab es Einzelförderung im Bällchenbad oder auf dem Pezziball. Besonders beliebt war das Geschaukelt werden im Schwungtuch.

Das Zählen dabei in beiden Sprachen (Suaheli und Deutsch) war für die Kinder ein Lernfeld und natürlich auch für uns. 
Anschließend war Zeit, um sich mit den Eltern auszutauschen.

im Schwungtuch entspannen und sich spüren.....
... und im Bällchenbad
                            



 



Am späten Nachmittag des letzten Tages kamen wir alle auf einer Wiese zusammen: die Kinder, die Angehörigen und das Team.
Wir brachten gemeinsam das große Tuch in Schwung und ließen es als letztes in den Himmel steigen.
Danach ergab es sich, dass einige Eltern etwas zu diesen Tagen sagten und sich bedankten. Auch jeder von uns sprach noch ein paar Sätze, die jeder für wichtig erachtete. Eine wunderbare Abschlusstimmung entstand dadurch.




















Diese 4 Tage mit 9 Kindern + 1 Geschwisterkind und den Angehörigen waren sehr intensiv.
Was mich besonders fasziniert hat, war dabei das ineinandergreifen von 4 verschiedenen Dingen:
Zum einen die physiotherapeutischen und die pädagogischen Spielangebote,
zum anderen kamen die Angehörigen miteinander ins Gespräch und sie erlebten eine inklusive Lebens- und Arbeitsgemeinschaft der MitarbeiterInnen des Diakoniezentrums
und zuguterletzt waren die Kinder zum größten Teil miteinander im freien Spiel beschäftigt!


Ganz besonders möchte ich mich bei Agneta und den 4 FSJ-lern bedanken, die alle fast durchgängig mit einer großen Neugierde dabei waren, uns unterstützt, übersetzt und Fragen gestellt haben.

Nach dem Abendbrot besprachen wir noch das für den nächsten Tag vereinbarte Abschlussgespräch mit der Leitung des Diakoniezentrums.

22. Tag
Samstag, 25.5.19
Am Morgen lachte wieder die Sonne vom blauen Himmel auf uns herab. So befreiten wir Tisch und Stühle aus dem Frühstücksraum und genossen so das Frühstück mit dem Blick in die Berge.

Natürlich waren wir wieder zu früh zum Gespräch……, aber pole pole, immer mit der Ruhe!
Zu neunt saßen wir dann ein wenig später in Elikanas Büro.
Wir wurden um unsere Eindrücke und Erfahrungen der letzten 3 Wochen gebeten und um einen fachlichen Rat für die Zukunft der Arbeitsbereiches der sozialpädagogisch orientierten Physiotherapie.
Darüber vergingen die nächsten 3,5 Stunden…..
Eine kurze Zusammenfassung:
Die Räumlichkeit und die vorhandenen Materialien sind ausreichend, ergänzende Einbauten (Regale u.a.) und einige Reparaturen haben wir konkret angesprochen.
Die fachliche Zusammenarbeit mit Kirimia war hervorragend. Er ist für diese Arbeit mehr als geeignet. Außerdem kommen ihm die Ausbildungen und Tätigkeit als Grundschullehrer und Diakon für den sehr vielfältigen Arbeitsbereich zu Gute.
Er wird auch in Zukunft neben der physiotherapeutischen Arbeit Leitungs- und andere Aufgaben im Diakoniezentrum übernehmen. Um eine größere Kontinuität zu gewährleisten, muss kurz, mittel- und langfristig an eine personelle Verstärkung gedacht werden.
Diese wären kurzfristig durch die weitere Hilfe eines FSJ-lers, vielleicht mittelfristig durch eine „Fachkraft auf Zeit“ (ausgebildete/r PhysiotherapeutIn aus Deutschland, Vermittlung durch die Missionswerke) und langfristig, die Ausbildung von Physios in Tansania.
Das alles braucht natürlich auch eine Finanzierung.

Der „Seminargedanke“ für Kinder / Angehörige sowie für Erwachsene hat sich in unserer Zeit als sehr effektiv herausgestellt.
Diese Arbeitsform für die Kinderseminare, Einzel- und Gruppenangebote und die Möglichkeit des Austausches der Angehörigen untereinander sowie Beratungs- und Informationsangebote durch das Diakoniezentrum stellt eine sehr „runde“, in sich geschlossene Sache dar.
Wir hatten die Idee, dass es eine stabile Gruppe geben könnte, die sich 4x im Verlauf eines Jahres trifft.
Hier könnte man differenziert auf die Entwicklung der Kinder oder / und des Elternhauses eingehen und hätte zugleich eine Vertrauens- und Wiedererkennungsbasis auf beiden Seiten.
Außerdem könnten sich soziale Kontakte unter den Eltern und den Kindern bilden und festigen.

Die physiotherapeutische Arbeit mit den Erwachsenen könnte gut mit den bereits etablierten handwerklichen Seminaren im Diakoniezentrum zusammengefügt werden.

Wir haben auch gesehen, wie beschwerlich Hausbesuche mit der Idee einer Behandlung sind: vor allem in der Regenzeit (6 – 7 Monate) sind die Straßenverhältnisse und die Bedingungen in den Häusern sehr beschwerlich.
Hier muss sicherlich nach anderen Möglichkeiten gesucht werden.

Nach dem Gespräch gab es ein gemeinsames Abschiedsessen und ein herzliches Umarmen:

Asante sana und ein Kwa heri von beiden Seiten.





Ich möchte mich an dieser Stelle auch bedanken:
Danke an Ina, Sylke und Birgit – dass sie mit dabei waren, ihre hohe fachliche Kompetenz eingebracht haben und wir uns gemeinsam 3 Wochen durch Höhen und Tiefen mit Achtung und Respekt voreinander bewegt haben.
Danke an die Partner, die lange Zeit auf uns verzichten „durften“.
Danke an das Leipziger Missionswerk, die Lothar-Rochau-Stiftung, Pro Tandala e.V. und die Evangel. Stiftung Neinstedt, die diese Reise finanziell unterstützt haben.
Ein Dankeschön an das Sanitätshaus Paul Schulze aus Berlin, die Hilfsmittel kostenlos bereit gestellt haben.
Danke, an die MitarbeiterInnen im Diakoniezentrum, die uns umsorgt und uns mit unserer Kultur aushalten durften.

Und Danke an Kirimia, mit dem wir 3 Wochen, zum Teil mehr als 12 Stunden täglich verbracht haben – für seine Ruhe, Ausstrahlung und Begleitung – aber auch für seine Neugierde!



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